Coup misslungen

Ich erinnere mich deutlich, im Urlaub einen Podcast gehört zu haben, in dem Herr Groß-Selbeck großspurig und in aller Tiefe bekundet hat, wie erfolgreich seine Firma Digital Ventures Geschäftsmodelle für Konzerne kreiert und zum Erfolg bringt. Da habe ich zuerst einmal gedacht, dass es ja wohl kein Problem ist, mit den Finanzmitteln eines Kunden mit sehr großen Taschen und dessen Verbindungen zu anderen Konzernen und dem damit verbundenen riesigen Netzwerk, ein StartUp groß zu machen.

Nun überschlagen sich aber heute die Meldungen, dass „Coup“, eines jener StartUps, die Digital Ventures in diesem Falle für Bosch hochgezogen hat, größtenteils die Segel streicht. Begründung: Die Kosten.

Einerseits beruhigt es mich, zu sehen, dass Digitalisierung so nicht funktioniert. Andererseits bin ich entsetzt, dass Menschen in Konzernen derart hilflos sind, dass sie auf solche Dienstleistungen zurückgreifen. Sicher, Digital Ventures, wenn ich mich recht an den Inhalt des Podcasts entsinne, geht „mit in’s Boot“, sprich, trägt einen Teil des Risikos und investiert eigenes Geld. Es wäre sicher interessant zu erfahren, ob Bosch dann Coup schon komplett übernommen hatte, welcher Herkunft das Geld war, das Digital Ventures investiert hat (war es überhaupt Geld oder wurden Experten wie GS zu unanständigen Tagessätzen als Gegenlesitung eingebracht) und natürlich, ob sich jetzt auch jemand findet, der die Verantwortung für das Desaster übernimmt.

Ich sehe fatale Fehler neben dem offensichtlichen Vorhandensein von zuviel Geld:

Dass der Betrieb eines Sharingsystems personalintensiv ist und dass das Thema E-was-auch-immer ziemlich heiß ist und StartUps und Investoren, also Konkurrenten, anlockt kann doch nicht so eine super neue Erkenntnis gewesen sein. Etwas Marktforschung und Einblick in „richtige“ StartUps (oder nur schon Kenntnis der Menge) wäre hilfreich gewesen. Das Angebot von Fahrminuten in drei Paketgrößen ist schön. Mundgerecht für den Kunden. Aber der Preis muss doch die Kosten decken, oder ? Wenn andererseits Markteroberung und Verdrängen von Konkurrenten das Ziel war dürften die Kosten doch kein Grund zur Stilllegung sein.

Der Vorteil Zugriff auf Konzernstrukturen zu haben dürfte ein sehr großer sein, wenn es um B2B-Produkte geht. Coup war aber ein reines B2C StartUp. Ich bin mir nicht sicher, ob der (sicher gute) Name Bosch irgendwo bei denen auftaucht. Die Nutzung des guten Namens im Sinne von Qualitätsversprechen wäre wohl der einzige Vorteil gewesen, den man hätte nutzen können. Damit wäre aber seitens Bosch eben dieser gute Name gefährdet, wenn der taiwanische Hersteller der E-Roller, Gogoro, Qualitätsschwächen offenbaren würde. Leider ist „Risiko“ ein Wort, dass im Konzernumfeld ungern gehört wird und eine Gefahr für die „gemanagten“ Prozesse darstellt. Da finde sich wohl niemand, der dafür Verantwortung übernimmt.

Auf der Kundenseite von Digital Ventures sehe ich einen weiteren fatalen Fehler. Man kann Digitalisierung nicht outsourcen. Ein StartUp ist eine emotionale Sache. Da hängt das Herzblut der Gründer am Unternehmen. Die haben Tag und Nacht daran gearbeitet ihre Idee umzusetzen und dann vielleicht in einen Markt zu bringen, der nicht auf sie gewartet hat. Da wird eigenes Geld zugeschossen, die gesamte Umwelt angebettelt, manchmal Ernährung, Hygiene und Gesundheit vernachlässigt. Alles für das „eigene Baby“.

Und das soll man einfach so einkaufen können ? Glaub ich nicht.

Schnelle Software-Entwicklung (project)

Neben einer längeren Bedenkzeit zur Auswahl des richtigen Setups von Programmiersprache. Tools, Backend usw. gibt es natürlich auch eigene Tools (warum ist man denn schließlich Entwickler, wenn man nicht Großteile seiner Arbeit an einen Rechner übergeben kann), die die Entwicklung beschleunigen.

Da wir häufig zwischen verschiedenen SetUps hin und her wechseln müssen (für nahezu jeden Kunden gibt es eine andere Zusammensetzung der genutzten Werkzeuge) haben wir irgendwann etwas Zeit in die Beschleunigung dieses Wechsels investiert.

Ergebnis ist unser „project“ Tool. Ein Aufruf auf der Kommandozeile wie z.B. project open bizzgen öffnet sämtliche Ressourcen, die für die Arbeit mit diesem Projekt benötigt werden. Das sind

  • ein Terminal mit der Verbindung zum bizzgen.de Server für die Skriptbearbeitung
  • ein Terminal mit der Verbindung zum bizzgen.de Server für die Bearbeitung der Datenbank.
  • Ein Safari Browserfenster mit der bizzgen.de Website
  • Ein Chrome Browserfenster mit der bizzgen.de Website
  • Ein Firefox Browserfenster mit der bizzgen.de Website

Mit diesem SetUp kann man direkt mit der Arbeit an der bizzgen.de Webseite loslegen. Manchmal ist man sogar überrascht, dass schon ein weiteres Fenster offen ist, wenn man denkt „ich bräuchte jetzt noch ein zweites Terminal um etwas an der Datenbank-Konfuguration zu ändern“.

Was das project open Kommando zu tun hat, ermittelt es aus der im Homeverzeichnis des Entwicklers liegenden Datei .projects.

So kann jeder Entwickler für sich selbst festlegen, was da so alles initiiert werden soll.

Die Datei sieht am Beispiel bizzgen.de wie folgt aus

[bizzgen]
terminal|ssh_bizzgen
terminal|ssh_bizzgen
web|https://bizzgen.de|chrome
web|https://bizzgen.de|safari
web|https://bizzgen.de|firefox

Da wir alle auf Macs entwickeln, nutzt das project-Tool die Funktion open, die MacOS zur Verfügung stellt.

Der Rest ist Freude an der Arbeit 🙂